„Tu etwas Gutes und wirf es in Meer.“

Als der in Berlin lebende syrische Student Kareem El-Cheik diesen Satz bei einem Treffen in Berlin in den Raum wirft, wird er von fünf weit-geöffneten Augenpaaren angestarrt. Was sollen wir ins Meer werfen? „Da verstehe ich nur Bahnhof,“ erwidert schließlich jemand am Tisch. Wir sind bei einem typischen Team-Abend von tabadul, einem Verein für interkulturellen Austausch mit Sitz in Berlin. Und heute wird wieder einmal über Sprichwörter diskutiert.

Die tabadul-Mitglieder Lisi und Alaaedin bei einem Teamabend zum Thema Sprichwörter – sowohl aus der arabischen, als aus der deutschen Sprache.

 

Sprichwörter sind so alt wie die Menschheit selbst und sorgen immer wieder für Verwirrung und Missverständnisse zwischen Kulturen. Diese Missverständnisse abbauen, dafür steht tabadul e.V. Gegenseitiges Verstehen ist der erste Schritt zu einem zukunftsversprechenden Zusammenleben. tabadul ist ein arabischer und persischer Begriff für Austausch. Der Verein tabadul setzt sich für die Verständigung zwischen den Menschen ein, die Arabisch sprechen und nach Deutschland kommen, und denen, die bereits hier leben. Ziel ist es, Brücken zwischen den Kulturen zu bauen und den Menschen die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen. Dabei orientieren sich die Mitglieder an Grundwerten wie Solidarität, soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Selbstbestimmung, Demokratie und Völkerverständigung.

 

Das tabadul Team im Sommer in einem Park in Berlin. Gute Laune, gemeinsame Kreativität und voneinander lernen wird bei tabadul groß geschrieben. Von rechts nach links: Elissa, Kareem, Kerstin, Kinan, Lisi, Alaaedin, Zahraa, Maher, Sameh und Ahmed.

 

Im Herbst 2015 fanden sich Kerstin, Deutschtrainerin und Beraterin für online Lernangebote aus Oberösterreich, Kareem, Student für BWL mit einem Schwerpunkt auf Management von Non-Profit Organisationen aus Tartous, Syrien und Kinan, Architekturstudent und Künstler aus Damaskus, Syrien in Berlin zusammen, um ein Projekt zu starten: das Ziel war, arabischsprachige Videos und eine Lernplattform zur Unterstützung von Geflüchteten aus Syrien zu schaffen: “Damals hatten wir weder einen Namen, noch eine Rechtsform, wir waren nur ein paar Leute mit einer Idee – davon gibt es in Berlin so Einige. Es galt also, mehr Leute von unserer Idee zu begeistern. Wir brauchten einen Namen und ein Logo, einen ruhigen Ort, wo wir uns treffen konnten, um unsere Idee weiter wachsen zu lassen… All das haben wir gemeinsam gefunden und gestaltet – tabadul wurde geboren!”, erzählt Kerstin.

Damals waren wir nur ein paar Leute mit einer Idee. Davon gibt es in Berlin so Einige.
– Kerstin

Seither ist tabadul um viele engagierte, tatkräftige Mitglieder, die sich alle ehrenamtlich engagieren, gewachsen. Im Sommer 2016 konnte dann auch endlich die Eintragung ins Vereinsregister als Erfolg verzeichnet werden und ab 1.1.2018 ist tabadul auch gemeinnützig und Anfang 2018 kann die geplante Lernplattform endlich der Öffentlichkeit präsentiert werden. “Die Ziele, die wir uns gesteckt haben, sind hoch: Durch gemeinsam produzierte Videos, Erklärungen und Online-Übungen wollen wir Geflüchteten aus dem arabischen Raum die deutsche Sprache und Kultur näher bringen. Außerdem wollen wir Lehrende unterstützen: viele sind ehrenamtlich tätig und können oft nicht auf unterstützendes Material in arabischer Sprache zurückgreifen. Dafür haben wir die tabadul Lernplattform entwickelt und mit ersten, arabisch-deutschen Lerninhalten befüllt, um arabischen Muttersprachlern das Erlernen und Verständnis der deutschen Sprache zu erleichtern und Missverständnissen vorzubeugen.”, erzählt Kareem.

Die Ziele, die wir uns gesteckt haben, sind hoch. Anfang 2018 können wir die tabadul Lernplattform erstmals der Öffentlichkeit präsentieren. Wir wollen Geflüchtete mit arabischer Muttersprache und DaF-Lehrende unterstützen.
– Kareem

Das interkulturelle Team von tabadul umfasst derzeit Mitglieder aus Syrien, Ägypten, Deutschland, Österreich, Großbritannien, den Niederlanden, Mexiko und Südtirol, dem deutschsprachigen Teil von Italien. Im gemeinsamen Engagement ist auch der Weg das Ziel: durch die gemeinsame Teamarbeit kann jeder seine Fähigkeiten und Fertigkeiten in den unterschiedlichsten Bereichen weiterentwickeln. Und auch bei uns sind Missverständnisse an der Tagesordnung. Meistens, wie während unserer Debatte über deutsche und syrische Sprichwörter, werden sie durch einfache, zwischenmenschliche Kommunikation gelöst. Denn darum geht es letztendlich: eine gemeinsame Sprache zu finden, um Barrieren und Missverständnisse abzubauen. Und da gehört das Erlernen der deutschen Sprache dazu.

Alaaedin aus Damaskus
Kareem aus Tartous

Kareem ist seit gut Dezember 2014 in Deutschland. Mittlerweile hat er die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH) erfolgreich bestanden. Er ist nicht der einzige Syrer bei tabadul: der aus Damaskus stammende Alaaedin Elghafari ist seit Sommer 2016 dabei. Seit 2015 ist er in Deutschland. Die deutsche Sprache zu erlernen, war das erste Ziel, sagt er. Beide, Kareem und Alaaedin, engagieren sich in ihrer Freizeit bei tabadul, um anderen Syrern in einer ähnlichen Situation wie der ihren zu helfen. Alaaedin beschreibt den Verein als ein „Mittel, mich nützlich für Menschen mit demselben Hintergrund wie meinen einzusetzen. Und für mich selbst bietet tabadul die Chance mein interkulturelles Wissen zu entwickeln, näher an den Kernproblemen der Gesellschaft zu sein und dafür gemeinsam mit anderen Mitgliedern eine Lösung zu finden.“

Bei tabadul kann ich näher an den Kernproblemen der Gesellschaft sein und gemeinsam mit anderen Mitgliedern Lösungen finden.
– Alaaedin

Neben der Lernplattform möchte tabadul mit zweisprachigen Blogartikeln (Arabisch/Deutsch) geschrieben von den Mitgliedern Brücken zwischen Kulturen bauen: mit der Reihe “Hal Talaam? Wusstest du schon?” sollen beispielsweise mögliche Fragen geklärt und Angst vor dem Unbekannten genommen werden. Man hat die Möglichkeit, die syrische Kultur besser kennenzulernen, Einblicke in die arabische Sprache zu bekommen und in der Reihe “Sprachentausch” kann man Wörter kennenlernen, die es sowohl in der deutschen, als auch in der arabischen Sprache gibt.

tabadul will Brücken bauen und Menschen die Angst vor dem Unbekannten nehmen.

Und was bedeutet nun Tu etwas Gutes und wirf es ins Meer,“ fragst du? Kareem hat es uns ganz einfach als „Karma“ umschrieben. Man tut etwas Gutes, aber erwartet nichts zurück. Dennoch wird man irgendwann dafür belohnt – weil ja alles, was man ins Meer wirft, irgendwann wieder an die Küste geschwemmt wird.

Man tut etwas Gutes, aber erwartet nichts zurück. Dennoch wird man irgendwann dafür belohnt – weil ja alles, was man ins Meer wirft, irgendwann wieder an die Küste geschwemmt wird.

 

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